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    Institut für Anorganische Chemie

    Pfalzgraf Ottheinrichs langer Weg nach Krakau

    08.07.2008

    Neuburg – Prag – Krakau – Berlin – Neuburg: 2200 Kilometer Wegstrecke in drei Monaten, mitten im Winter, auf verschneiten Wegen. Im Jahr 1536 machen sich ein Fürst und sein Maler aus dem oberbayerischen Neuburg auf den Weg ins 880 Kilometer entfernte Krakau. Die Stationen dieser strapaziösen Reise werden in Bildern festgehalten und bescheren uns heute einige der ältesten Stadtansichten Mitteleuropas. Die Würzburger Universitätsbibliothek und der Lehrstuhl für Informatik II bieten nun erstmals die Stationen dieser Reise eindrucksvoll zur virtuellen Spurensuche an; im Internet präsentieren sie die einzigartigen Stadtansichten des 16. Jahrhunderts.

    Eine virtuelle Reise auf Ottheinrichs Spuren ermöglicht ein neues Angebot von Unibibliothek und Informatik der Uni Würzburg.

    Im Zuge der Säkularisation gelangten 1803 zahllose Bücherschätze aus den umliegenden Klöstern in die Universitätsbibliothek Würzburg. Darunter befindet sich auch ein unscheinbarer Band mit fünfzig farbigen Federzeichnungen aus dem Kloster Ebrach. Die Zeichnungen zeigen Städte und Orte aus Bayern, Sachsen, Polen und Schlesien, alle namentlich gekennzeichnet.
     

    Pfalzgraf Ottheinrich Knapp zweihundert Jahre später findet eine Forschergruppe schließlich heraus, was es mit dem bebilderten Sammelband aus Ebrach auf sich hat: Bei den kolorierten Blättern handelt es sich vielfach um die ältesten Ansichten der abgebildeten Orte, die offensichtlich die Stationen einer Reise sind. Eine Reise, die im Jahr 1536 in Neuburg beginnt. Dort regiert Ottheinrich von der Pfalz, ein Wittelsbacher. Er ist vierunddreißig Jahre alt, von erheblichem Körperumfang und hoch verschuldet. Um sein Fürstentum vor dem drohenden Bankrott zu retten, reist er nach Krakau, um dort die Mitgift seiner polnischen Großmutter Hedwig einzufordern: 32.000 Gulden. In seinem Tross befindet sich auch ein Maler, der fünfzig der durchreisten Orte auf Papier festhält. 

    Mit Hilfe moderner Informationstechnik wird die Reise des Fürsten im Winter 1536/37 nun am Bildschirm virtuell erfahrbar. In Zusammenarbeit der Universitätsbibliothek Würzburg mit dem Lehrstuhl für Informatik II (Prof. Dr. Jürgen Albert) wurden die sehr lichtempfindlichen Originalblätter digitalisiert und können so erstmals einem großen Publikum zugänglich gemacht werden. Die kostbaren Zeichnungen sind über eine Internetpräsentation bequem zu erreichen; eine komfortable Navigationsoberfläche ermöglicht es, spielerisch auf Ottheinrichs Spuren zu wandeln: Zusatzinformationen zu den einzelnen Stadtansichten erklären Hintergründe, 3D-Animationen lassen die historischen Zeichnungen lebendig werden.

    Mit der weltweiten Zugänglichkeit verbindet sich auch die Hoffnung, Interessierte in Ostmitteleuropa in eine Erschließung der Stadtansichten einzubinden und so zu einer genaueren stadthistorischen und archäologischen Würdigung der Einzelmotive zu gelangen. Die fürstliche Reisedokumentation der frühen Neuzeit soll so die Grundlage für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Europa von heute schaffen.

    Mehr Infos: /www.ottheinrich.info

    Einem anderen prachtvollen Zeugnis der Kunstsinnigkeit und des Repräsentationsbedürfnisses des Neuburger Fürsten, der „Ottheinrich-Bibel“, ist eine Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek in München gewidmet, die am kommenden Donnerstag eröffnet wird und bis zum 10. August zu sehen sein wird: http://www.bsb-muenchen.de/Ausstellungen.67.0.html

     
    Kontakt: Dr. Hans-Günter Schmidt, Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek. T: (0931) 888-5964, E-Mail: hans-guenter.schmidt@bibliothek.uni-wuerzburg.de

     Prof. Dr. Jürgen Albert, Lehrstuhl Informatik II. T: (0931) 888-6600; albert@informatik.uni-wuerzburg.de

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